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Ansel Adams: Classic Images
Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf
Für viele ist Ansel Adams (1902-1984) der bedeutendste Landschaftsphotograph Amerikas. Andere messen seiner Porträtphotographie den größeren Stellenwert bei. Ihm selbst schien diese Unterscheidung nicht wichtig gewesen zu sein. Wichtiger, interessanter ist, daß Adams' Photographien für die Verbindung aus amerikanischer Geographie, amerikanischem Geist, amerikanischer Geschichte und amerikanischem Charakter stehen, wie sie in der Kunst dieses Landes von Gertrude Stein in The Geographical History of America or the Relation of Human Nature to the Human Mind (1935/36) für die Literatur herausgestellt wurde.
Letztlich eine vereinfachende Mythologie aus Biographie, Geschichte, Geographie und Landschaft, bedingt diese Verbindung in den Photographien von Adams ein Festhalten an der Natur, am Natürlichen, an der Landschaft und an der Schlichtheit des Lebens an sich. Sie folgt der Steinschen Ansicht, daß das Auftauchen des menschlichen Geistes und somit die Entstehung von Meisterwerken von der geographischen Situation abhängen, in die der Künstler hineingeboren wird und in der er lebt.
Ansel Adams wurde im Westen, in San Francisco, geboren, 1902. Neun Jahre waren seit F. J. Turners berühmter These über "The Significance of the Frontier in American History" vergangen. Die "Frontier", ab 1890 für geschlossen erklärt, war die nach Westen orientierte Landnahme der werdenden Nation, war formatives Grenzlanderlebnis, war spontan demokratischer Individualismus, war Versuch, weite, "unberührte" Natur zu beherrschen, war die Absicht, sich kulturell von Europa abzutrennen. Der Westen, die "Frontier", sie wirken nach im photographischen Werk von Adams.
Ebenso seine "Schulausbildung"; sie fand innerhalb der "Panama-Paci-fic Exposition", 1915, San Francisco, statt. Der Panamakanal wurde gefeiert, ca. ein Jahr lang mit vielen Ausstellungen, u. a. von Werken des "Photographen des Westens" Eduard Weston, von Werken Cezannes, Gaugins , Monets oder van Goghs. Adams' angeborenes visuelles Talent wurde geschult und durch anschließende Familienurlaube (z. B. Yosemite Park, 1916) weiter sensibilisiert.
Die Sicht wurde geschärft, die Ansicht ideologisiert. Gebiet, Region, Gegend, Ort, (Mensch); am Ende steht Harmonie. Amerikas nationale Landschaft und Adams' emphatischer Blick darauf sind Erkundung und Beschreibung der nationalen Identität. Sie nährt sich aus einer Naturanschauung im Sinne der Emerson- Whitman-Tradition mit der Doku-mentarphotographie der großen Expeditionen ins Landesinnere um 1870, mit der avantgardistischen Arbeit eines Paul Strand etwa und schließlich mit den technischen Innovationen und dem subjektiv ausgerichteten Blick in der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. All dies verleiht Adams' Photos Rückhalt und Orientierung.
Eine unheimliche Realität wohnt ihnen inne. Insbesondere in den Photos der frühen 40er Jahre stellt sie sich ein:
Berge werden zu verbrüderten Riesen, Flüsse zum Sinnbild ruhig fließenden Daseins; die gesteigerte Nähe zum ungreifbaren Fernen ist das Thema. Technisch ist das hervorragend gelöst, und zwar als Kunstform in dem von Adams selbst entwickelten "Zonen-System" (Tonskala in elf Zonen von Schwarz bis Weiß). Inhaltlich läßt es sich so fassen: Amerikanische Natur wird in Landschaft verwandelt; Landschaft wird zur (amerikanischen) Geschichte; dokumentatorisches Interesse und subjektiv- ästhetische Wahrnehmung kreieren einen monumentalen Landschaftsbegriff; dieser spiegelt ein Bild jener Kultur, in deren Selbstverständnis grandiose Natur und Geographie umstandslos grandioses Glücksversprechen bedeuten - oder zumindest bedeutet haben. Natur und Landschaft sind Erkenntnisgegenstand und Erkenntnis weg.
Einzelne Photos sprechen Bände in dieser Hinsicht: "Monument Valley", Arizona, 1958; "Sand Dunes, Sun-rise", Death Valley National Monument, Kalifornien, ca. 1948; "Sand Bar, Rio Grande", Big Bend National Park, Texas, 1947, etwa; aber auch "Spanish American Woman, near Chimayo", New Mexico, 1937. Diese und andere "Classic Images" werden zu Recht als Photographiegeschichte eingestuft.
Es handelt sich um Bilder einer in sich effektvoll geschlossenen Nicht-handlung, sicher beherrscht von Spannung und Gefühl. Sie sagen uns: Das war einmal, eine Natur, die in einem formalen Gleichmaß dahinfließt. Sie werden getragen von einer Haltung, die für die 20er, 30er, 40er Jahre echten Pionierstatus hatte, was das Umweltbewußtsein angeht. - Nur am Rande, ganz entfernt, kommt der Gedanke an Propaganda auf:
"Classic Images", gemacht, um mittels der harmonischen Zustände die von ihnen dokumentierte Realität des Zerstörtwerdens, des Scheiterns vergessen zu machen. Aber dieser Gedanke stellt sich hier nicht stärker ein als in den zeitgleichen Photo- und Filmarbeiten eines Paul Strand oder Robert Flaherty etwa, eher schwächer. |
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